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title: "Das Portrait-Album der Ottilie von Graefe"
date: 2025-10-10
last_modified: 2026-05-19T08:27:38+02:00
generated_at: 2026-06-08T21:12:47Z
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description: "Das Portrait-Album der Berlinerin Ottilie von Graefe (1816–1898), verheiratete von Thile, enthält Zeichnungen junger Frauen in Posen, die an heutige Selfies auf Instagram erinnern."
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# Das Portrait-Album der Ottilie von Graefe

![Ledergebundenes Album auf Lederhocker vor Konzertflügel](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/portrait-album-ottilie-von-graefe-1-300x225.jpg)

**Das Selbstverständnis junger, bürgerlicher Frauen der Biedermeier-Epoche (1815–1848) dokumentiert ein erstmals ausgestelltes historisches Objekt: Das zwischen 1836 und 1863 entstandene Portrait-Album der Berlinerin Ottilie von Graefe (1816–1898) enthält Zeichnungen junger Frauen in Posen, die an heutige Selfies auf Instagram erinnern.**

Das aufwendig gestaltete und liebevoll ausgeschmückte Album enthält 170 Portraits, entstanden in mehr als drei Jahrzehnten. Ottilie von Graefe schuf damit eine Galerie ihres Freundschaftskreises: meist etwa gleichaltrige, um 1820 geborene Frauen. Charakteristisch für die Portraits sind die Posen, in denen sich die modisch gekleideten Frauen präsentierten – ganz ähnlich wie heute auf Instagram und anderen Social-Media-Kanälen.

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![Sitzende Junge Frau im schulterfreien Kleid mit Kreuzanhänger um den Hals, mit Blume in der Hand lächelnd auf ein Pult gestützt](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/01-mathilde-thuemmel-geborene-graefe.jpg) Mathilde Thümmel (1824–1897), geborene Graefe, Portrait von Ottilie von Graefe, 1840. Mathilde war eine Cousine von Ottilie von Graefe. Durch Heirat nahm sie 1849 den Namen Thümmel an. In den 1850er Jahren veröffentlicht sie kleinere Prosa-Texte, unter anderem für die „Allgemeine Muster-Zeitung. Album für weibliche Arbeiten und Moden“.   ![Stehende junge Frau im schulterfreien Kleid mit Blumen in der Hand und in den hochgesteckten Zöpfen](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/02-agnes-oppermann-baermann.jpg) Agnes Oppermann, verheiratete Bärmann, Portrait von Ottilie von Graefe, 1837. Die genauen Lebensdaten sind unbekannt. Agnes stammte offenbar aus einer bürgerlichen, möglicherweise jüdischen Familie. Nach ihrer Heirat im Jahr 1846 trug sie den Namen Bärmann.   ![Sitzende Junge Frau im schulterfreien Kleid mit hochgesteckten Zöpfen, den Kopf lächelnd in die linke Hand gestützt](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/03-anna-von-briesen.jpg) Anna von Briesen, Portrait von Ottilie von Graefe, 1840. Die genauen Lebensdaten sind unbekannt. Anna stammte aus der weitverzweigten brandenburgischen Adelsfamilie von Briesen.   ![Sitzende Junge Frau mi schulterfreiem Kleid und Locken, eine Gitarre haltend](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/04-clara-von-bredow.jpg) Clara von Bredow, Portrait von Ottilie von Graefe, 1836. Die genauen Lebensdaten sind unbekannt. Clara heiratete 1841, verstarb aber schon acht Jahre später.   ![Sitzende Frau im schulterfreien Kleid, den Kopf in die rechte Hand gestützt](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/05-pauline-stephan-haenel.jpg) Pauline Stephan, verheiratete Hänel, Portrait von Ottilie von Graefe, 1837. Die genauen Lebensdaten sind unbekannt. Als sie 1841 heiratet, nahm sie den Namen ihres Mannes an.   ![Junge Frau mit schulterfreiem Kleid und Locken unter Kopfhaube](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/06-lucy.jpg) Lucy Lannermann, Portrait von Ottilie von Graefe, 1837. Ihre Lebensdaten sind unbekannt.   ![Zwei junge Frauen mit hochgesteckten Haaren in schulterfreien Kleidern, Maxe dunkelhaarig, Armgart hellharig](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/07-maxe-und-armgart-von-arnim.jpg) Maximiliane, genannt „Maxe“ (1818–1894) und Armgart von Arnim (1821–1880), Portrait von Ottilie von Graefe, 1837. Maxe pflegte engen Kontakt zum höfischen Umfeld Prinz Waldemars von Preußen (1817–1849). 1853 heiratete sie den Offizier Eduard Graf von Oriola (1809–1862). Das Paar bekam fünf Kinder. Von den 1870er bis -90er Jahren unterhielt sie einen beliebten Salon in Berlin. Armgart war als Schriftstellerin und Zeichnerin tätig. 1848 erschien ihr Roman „Das Heimelchen“. Aus der 1860 geschlossenen Ehe mit dem Diplomaten Albert Georg Graf von Flemming (1813–1884) gingen zwei Kinder hervor.   ![Sitzende Junge Frau im schulterfreien Kleid mit sitzendem Ziervogel auf der Schulter](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/08-philippine-jacob.jpg) Philippine Jacob, Portrait von Ottilie von Graefe, 1837. Die genauen Lebensdaten sind unbekannt. Philippine war möglicherweise die Tochter des Arztes und Geburtshelfers Dr. August Jacob. 1844 heiratete sie. In ihrem Portrait lässt sie sich mit einem Zeisig zeichnen, damals ein beliebter Käfigvogel.   ![Sitzende junge Frau mit Locken und gefalteten Händen auf umgedrehtem, aufgeschlagenem Buch](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/09-graefin-eveline-gapska.jpg) Gräfin Eveline Czapska (gestorben 1848), Portrait von Ottilie von Graefe, 1837. Die genauen Lebensdaten sind unbekannt. Eveline gehörte der polnisch-preußischen Adelsfamilie Czapska an, die ursprünglich in Pommern ansässig war. Eveline ließ sich für das Portrait mit einem Buch des britischen Romantik-Dichters Lord Byron (1788–1824) zeichnen.   ![Aufgestützt stehende junge Frau mit halblangen dunklen Haaren](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/10-emma-siegmund.jpg) Emma Charlotte Siegmund (1817–1904), Portrait von Ottilie von Graefe, 1842. Emma war Tochter des Berliner Seidenhändlers Johann Gottfried Siegmund und seiner Ehefrau Henriette. Ihr Auftreten war unkonventionell. Im Portrait trägt sie das Kostüm des „Fidelio“ aus der gleichnamigen Oper von Ludwig van Beethoven (1770–1827) über Treue und Freiheit. 1843 heiratete sie den Revolutionsdichter Georg Herwegh (1817–1875), sie bekamen drei Söhne. Beide pflegten Kontakt zu dem russischen Anarchisten Michail Bakunin, dem deutschen Philosophen Karl Marx und anderen linksrevolutionären Vordenkern. In der Badischen Revolution 1849 entging sie nur knapp der Verhaftung. Aus dem Schweizer Exil kehrte sie erst 1866 nach Deutschland zurück.  Viele der portraitierten Frauen waren Mitglieder des Kaffeter-Clubs, 1843 gegründet von Ottilie von Graefe und weiteren bürgerlichen oder adeligen Frauen, darunter zwei Töchter des Schriftsteller-Ehepaars Bettina (1785–1859) und Achim (1781–1831) von Arnim. Einmal in der Woche trafen sie sich, um über Musik, Kunst und Literatur zu sprechen, auch über eigene Werke. Der Club entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Freiraum. Er bot den unverheirateten jungen Frauen eine gewisse Ungezwungenheit außerhalb des gesellschaftlichen Erwartungsdrucks, dem sie sich in ihrer Epoche ausgesetzt sahen. Später wurden auch Männer zugelassen.

### Über Ottilie von Graefe

Ottilie war die Tochter des Berliner Chirurgen und Augenarztes Carl Ferdinand von Graefe (1787–1840) und seiner Frau Auguste, geborene von Alten (1797–1858). Nachdem Ottilie ihre Verlobung mit dem Komponisten Friedrich Wilhelm Kücken (1810–1882) auf Druck der Eltern auflösen musste, heiratete sie 1847 den Diplomaten Hermann von Thile (1812–1889). Vielseitig interessiert, zeichnete sie und schrieb Gedichte. Einige davon wurden vertont, zum Beispiel in dem 1847 von ihrem früheren Verlobten Wilhelm Kücken veröffentlichten, romantischen Lied „Drei Worte“. Ottilies Bruder Albrecht von Graefe (1828–1870) wurde wie sein Vater als Augenarzt bekannt. Nach ihm ist der Graefekiez in [Kreuzberg](https://staging.stadtmuseum.de/thema/kreuzberg) benannt.

*Redaktionelle Bearbeitung: Heiko Noack*

![von Graefe stehend mit Locken, blauem Kleid, aufgeschlagenem Buch und Stift](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/ottilie-von-graefe-232x300.jpg)

##### Weitere Informationen

Das Portrait-Album ist eine Leihgabe von Hyma zu Knyphausen und Ingolf von Graefe. Im Rahmen des Ausstellungsprojekts „Beziehungsweise Familie“ ist es vom 3. Oktober 2025 bis zum 21. Juni 2026 im Salon des Museums Knoblauchhaus zu sehen. Vom 2. Juli bis zum 27. September wird es im Rahmen der Sonder-Präsentation „Ein Match haben!“ auf der Sonderfläche im 1. Obergeschoss ausgestellt.

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![Ledergebundenes Album auf Konzertflügel](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/portrait-album-ottilie-von-graefe-2.jpg) Leder-Einband des Portrait-Albums mit goldgefassten Initialen O. v. T. (Ottilie von Thile) und Messing-Verschlüssen.   ![Aufgeschlagenes Album mit Schwarz-Weiß-Fotografie der Ottilie von Graefe mit Lebensdaten und Widmung](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/portrait-album-ottilie-von-graefe-3.jpg) Blick ins Album mit Portrait der Künstlerin und handschriftlicher Widmung „An Annchen von Tante Ottilie, 1897“   ![Zeichnung farbiger Blumenranken mit Schriftzug "Album fürs Leben"](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/10/portrait-album-ottilie-von-graefe-4.jpg) Selbst gestaltetes Schmuckblatt mit Titel „Album fürs Leben“  ## Über die Ausstellung

![Familienportrait, sitzender Vater abgewandt, stehende Frau in die Kamera blickend, vier Kinder teilweise unscharf](https://staging.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2025/09/web-02_CLUSTER_BG_pos02a_XI-9500-300x272.jpg)

### Beziehungsweise Familie

****Vater, Mutter, Kind? Überraschende Perspektiven auf das traditionelle Familienmodell in Vergangenheit und Gegenwart.**

Sonderausstellung
03.10.2025 – 12.07.2026**

[ Zur Ausstellung](https://staging.stadtmuseum.de/ausstellung/beziehungsweise-familie)

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