Kunstausstattung Schloss Bellevue
Amtssitz des Bundespräsidenten
Im Oktober 2021 wurden vier Säle von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, mit Leihgaben des Berlin Museums künstlerisch neu ausgestaltet. Kurator war Dr. Jan Mende, zugleich Kurator des Knoblauchhauses. Bis zur Sanierung des Schlosses 2026 waren die Leihgaben in Schloss Bellevue ausgestellt.
Dauerpräsentation im Schloss Bellevue
Schon 2020 hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den „Robert-Blum-Saal“ der 1848er Revolution gewidmet. Im Oktober 2021 folgten die Themen „Aufklärung“ und „Jüdische Salons um 1800“ sowie zwei Räume, die dem preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel sowie den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt gelten. Mit diesem deutlichen Bezug zur bürgerlich geprägten Epoche der Aufklärung wollte der Bundespräsident daran erinnern, „was Preußen auch war und hätte sein können“.
Es war zum einen die berühmte Schinkel-Büste von der Hand des Bildhauers Friedrich Tieck. Sie flankierte eine ganze Kupferstichfolge „Architektonischer Entwürfe“ von Schinkel, und auch das aufsehenerregende Mineralienkabinett im Humboldt-Raum wurde begleitet von Portraits der beiden Brüder aus dem Bestand des Berlin Museums. Im Mittelpunkt standen hier fünf Schaukästen mit Steinproben, die Alexander von Humboldt aus Mexiko, Italien, Russland und Kasachstan mitgebracht hatte – Leihgaben des Museums für Naturkunde Berlin.
Eigentlicher Höhepunkt der Kunstausstattung war der neue „Salon Voltaire“: Er enthielt nicht nur Büsten des französischen Philosophen Voltaire und des preußischen Königs Friedrich II., sondern vor allem ein ganzes Bilderkabinett mit Portrait-Darstellungen des Schweizer Malers Anton Graff. Mit seinen Charakter-Bildnissen bediente Graff seinerzeit die Nachfrage der „gebildeten Stände“ nach Individual-Portraits bürgerlicher Prägung. Er gilt als Portraitist der Dichter und Denker.
Anton Graff im „Salon Voltaire“
Von den im „Salon Voltaire“ präsentierten sechs Gemälden stammten drei aus der Gemäldesammlung des Berlin Museums: die Portraits der Eheleute Elisabeth Makaria Nicolai (entstanden um 1795, vermutlich als Gedächtnisbild nach dem Tod, siehe Titelbild des Beitrages) und Friedrich Nicolai (entstanden 1783) sowie ein Bildnis des Lyrikers Karl Wilhelm Ramler (entstanden um 1775). Portraitsammlungen bürgerlichen Zuschnitts waren im 18. Jahrhundert sehr populär. Sie sind auch im Halberstädter Gleimhaus bis heute erhalten. Der „Salon Voltaire“ nahm diese Tradition auf und verwies damit auf die Aufklärungsbewegung, die ganz auf Vernunft und bürgerliche Freiheit setzte.Ausstellungsort
Ort
Schloss Bellevue
Amtssitz des Bundespräsidenten
Spreeweg 1
10557 Berlin